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Horror im Orient-Express

Les Fleurs du Mal

Worin die Charaktere in der Bibliotheque Nationale in Paris nach Geheimnissen aus der Zeit der Französischen Revolution recherchieren und sowohl in der Nervenheilanstalt Charenton als auch auf dem Grundstück einer glücklichen Familie in Poissy dabei auf recht zeitgenössische Schrecken stoßen.

9. Januar 1923
Beim Durchgehen der bekannten Tatsachen fällt unangenehm auf, dass den drei in London jeweils einem der aufgefundenen Toten die Haut von Torso, Armen sowie Beinen sorgfältig entfernt wurde – möglicherweise ein Hinweis auf ein ähnlich makabres „Erneuerungsritual“ wie bereits bei den Köpfen von St. Joan? Mit diesem beunruhigenden Gedanken im Hinterkopf langen die Reisenden letztlich in Paris an.
Die gesetzteren Herren unter den Reisenden suchen das Antiquariat eines der Bekannten des Viscount Eversley auf und erfahren dort einige weitere Namen im Bezug auf das „Simulacri Sedefcari“-Schriftstück. Zudem erwähnt der Antiquar einen Orientalen welcher sich vor ein paar Monaten ebenfalls danach erkundigte und der seine Karte hinterließ: ein etwas fülliger, älterer Herr, der Karte nach mit dem Namen S. Makryat.
Die etwas jüngeren Herrschaften genießen indes das Pariser Nachtleben – insbesondere der Besuch einer Vorstellung von Josephine Baker.
10. Januar 1923
Die „Gelehrten“ (Viscount Eversley, Lord Finley, Graf Nikolaij, Dr. Clemensen) besuchen die Bibliotheque Nationale, müssen dort jedoch feststellen, dass für Ausländer ein Empfehlungsschreiben des jeweiligen Konsulates nötig ist. Graf Nikolaij wendet sich diesbezüglich an die britische Botschaft – wo ihn bereits eine Einladung des Barons Anatovkij erwartet. Gewappnet mit den noch trocknenden Empfehlungsschreiben widmet man sich abermals der Begegnung mit der Bürokratie der Bibliotheque – um in einer Hofgeschichte über einen Skandal etwas über einen gewissen Grafen Fenalik zu finden, der die Königin selbst kompromittiert haben soll.
Herr Denbacher lässt sich ein Telefonat mit dem Londoner Club vermitteln und erreicht einen Butler. Dort war zwischenzeitlich ob einer Bombendrohung niemand. Der Drohung geht Mr. Tattridge jedoch bereits nach, die Spur führe nach Islington. Man einigt sich mit den anderen Reisenden darauf, ein versiegeltes Schreiben an Mr. Tattridge zur Adresse des Clubs aufzusetzen, das der Viscount verfasst. Nach deutlichen Bedenken seitens Signor Perucchis entschließt man sich dennoch, alle Informationen bis auf die Namen der Kontakte des Professors zu übersenden.
In der Bibliotheque beschert die gründliche Sichtung weiteren Materiales einige weitere Hinweise auf das Simulacrum – deutlich mehr als die gleichsame Nachfrage bei einschlägigen Antiquariaten.
Nach einem weiteren Besuch der „Jüngeren“ bei Mrs. Baker begibt man sich im Hotel zur Ruhe. Mitten in der Nacht wird Herr Denbacher von einem Telefonklingeln geweckt und beantwortet es im Halbschlaf: seine besorgte Mutter suche ihn und wünscht, dass er bald wieder nach Hause käme. Der Umstand, dass der ebenfalls im Zimmer nächtigende Mr. Twining vom Klingeln geweckt wurde – obgleich das Zimmer über kein Telefon verfügt – noch, dass die werte Mutter des Herrn Denbacher noch lebt – beunruhigt die beiden so sehr, dass sie es den restlichen Reisenden am nächsten Tag erzählen.
11. Januar 1923
Viscount Eversley hält den Anruf für eine mögliche telepathische Botschaft der Samoaner, die sich der Stimme der Mutter bedienen würden. Im Halbschlaf oder unter Hypnose sei man für solcherlei Sendungen deutlich empfänglicher und dass Mr. Twining das Klingeln ebenfalls hörte, sei allenfalls eine Art gedanklicher Kollateralwirkung. Der Besuch des dem Viscount im Bezug auf das Simulacrum empfohlenen Antiquars ergibt, dass bereits im zurückliegenden Spätsommer jemand Nachfragen im Bezug auf die Statuenteile sowie fünf Schriftrollen angestrengt habe. Der Rest des Tages wird mit weiteren Nachforschungen in der Bibliotheque verbracht.
12. Januar 1923
In einem Befehl an die Truppen des Königs unter dem Befehl des Capitainne Louis Mallon aus dem Juni 1789 ist von der Zerschlagung eines unseeligen Zirkels um den Comte Fenalik die Rede – und dem Schrecken, welcher die Soldaten bei der Bezeugung der Machenschaften des Comte und seiner Schergen befiel.
In dieser Nacht erscheint Signor Perucchi im Hotel über seinem Bett ein blutiges Kruzifix – Don Ricardo, der in selben Zimmer nächtigt, will es ebenfalls gesehen haben. Von einer kleinen Gestalt am Kreuz lief Blut die Wand herab – jedoch finden beide später nur auf dem Kopfkissen Spuren davon. Da jedoch weder Signor Perucchi noch Don Ricardo keinerlei Wunden aufweisen, kann das Blut wohl nicht von ihnen stammen.
13. Januar 1923
Die Nachforschungen in der Bibliotheque führen zu einem höchst ungewöhnlichen Landhaus in Poissy, das verschiedenste Epochen im Baustil vertreten findet und das vom Grundriss her sehr verwirrend scheint.
Weiterhin findet sich ein Auszug aus einem Tagebuch des Leibarztes der Königin Demnach wurde der gefangene Comte vor einen Bediensteten der Königin gebracht, der den Leibarzt als Berater hinzuzog. Aufgrund des an Wahnsinn grenzenden Verhaltens des Comte und weil dieser von Adel war, empfahl er, den Comte nach Charenton zu verbringen, wo er wohl – nachdem er einige andere Patienten angegriffen hat – im Kellergewölbe untergebracht wurde. Beim Stichwort „Charenton“ fällt Dr. Clemensen ein, dass er über den sehr überraschenden Tod des Direktors einer dortigen Einrichtung gelesen hatte, der wohl bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen sein soll.
14. Januar 1923
Viscount Eversley, Dr. Clemensen, Mr. Twining und Herr Denbacher brechen zum Sanatorium in Charenton auf, während der Rest der Reisenden nach Poissy fährt. In Chareton gelingt es, die Aufzeichnungen des Professors an sich zu bringen, der von einem seltsamen Patienten berichtet: dieser scheint in den Kellergewölben gefunden worden zu sein, er war deutlich unterernährt und eine Zeit lang in einem katatonischen Zustand, bevor er wieder auflebte und auf den Doktor in einem slawisch wirkenden Dialekt einredete und von verfallenen Städten sprach sowie die Namen Marosch, Georgynia und Sofia wiederholte.
In einem unbeobachteten Moment entschließt man sich, die alten Kellergewölbe zu untersuchen: es finden sich die Spuren mehrerer Personen: einer, der anscheinend einen zweiten jagte. Die Spuren führen zuerst zu einem kleinen Raum mit Fesseln an der Wand und einer kleinen Blutlache darunter und weiter zu einer einstmals zugemauerten Nische, bei der sich neben einem Brecheisen noch eine große Lache getrockneten Blutes findet. Bei der Erforschung eines weiteren Ganges beginnt die Taschenlampe zu erlöschen – woraufhin man sich rasch zurückzieht. Es gelingt, den Anschein zu erwecken man habe sich die ganze Zeit über im Archiv aufgehalten und verabschiedet sich höflich.
In Poissy begibt man sich in die Kirche, es fällt dort ein sehr abgenutztes Taufbecken auf – zudem erkennt Signor Perucchi, dass im 12. Jahrhundert hier Ludwig der Heilige seine favorisierte Residenz hatte. Man verschafft sich vom Kirchturm einen kurzen Überblick über die Stadt und begibt sich dann ins Stadtarchiv, wo Lord Finley auf einer Karte einen entscheidenden Hinweis auf ein sehr wahrscheinliches Grundstück findet. Während man sich dorthin begibt, setzt dichter Schneefall ein.
Auf dem Grundstück begegnet man der entzückenden kleinen Quiterie Lorien und ihrer Familie. Ihr Vater ist Arzt und die Mutter Historikerint. Im Gespräch mit Mme. Lorien zeigt sie sich sehr interessiert an den vermuteten Ruinen, doch dann geschieht ein vermeintlich erst kleines Malheur, als Quiterie eine Kaffeetasse beim Spielen umstößt und sich dann sehr stark dabei verbrennt; weit mehr als es normalerweise der Fall sein sollte. Und bei weitem stärker als Don Ricardo, der ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurde. Während sich die Familie um die Tochter kümmert, machen die Reisenden sich an erste Untersuchungen und Ausgrabungen und finden einen fast verschütteten Zugang zu den Gewölben. Man quartiert sich über Nacht im Hotel im Ort ein und informiert die anderen über den Fund, ein Treffen am nächsten Tag vereinbarend. Bevor man sich von Familie Lorien für die Nacht verabschiedet, will Quiterie vor ihrem Kinderzimmerfenster einen „schwarzen Mann“ gesehen haben. Um sie zu beruhigen untersucht man alles deutlich – und Don Ricardo findet in der Tat Spuren auf dem Sims, was er jedoch vor Quiterie verschweigt, um sie nicht zu beunruhigen.
15. Januar 1923
Die Ausgrabungen schreiten langsam trotz des gefrorenen Bodens voran. Dr. Clemensen untersucht mit Erlaubnis von Dr. Lorien Quiterie und Mme. Lorien – und ist sehr besorgt über die schwere Arthritis der Frau sowie der Verbrennung der Tochter. Im Gespräch mit Viscount Eversley erwähnt Mme Lorien ein Schreiben mit Bezug auf die Ruinen und die Statue – von einem Edgar Wellington aus Lausanne.
16. Januar 1923
Die Tür zu den Gewölben wird freigelegt. Bei den Untersuchungen der Gänge dahinter werden die zerfallenen Reste einer Folterkammer und von Zellen gefunden – sowie die sterblichen Überreste einiger Opfer.
Zudem wird ein Raum gefunden, in dem Rosen in sehr unnatürlichen Farben in einem seltsamen Licht zwei gekrümmte Skelette umranken, die zwischen sich einen porzellanartigen Statuenarm liegen haben. Als Lord Finley die Rosen vorsichtig genauer untersuchen will, kann er es nicht verhindern, dass eine anscheinend unter Spannung stehende Ranke peitschenartig nach ihm schlägt und eine Schramme auf der Wange hinterlässt. Signor Perucchi schließlich ist es, dem es mit Hilfe einer Machete gelingt, sich bis zu dem Arm vorzukämpfen, und den Arm an sich zu bringen, woraufhin das seltsame Licht verlischt und ein grünlicher Nebel aufsteigt, der allen kurz die Sicht nimmt und Herrn Denbacher einen sehr kalten Hauch im Rücken beschert.
Familie Lorien wird über den Fund in Kenntnis gesetzt und sie wollen alles Weitere veranlassen. Man plant, eine Kiste für den Arm aus Holz bauen zu lassen und sich zudem weitere Taschenlampen und Batterien zu besorgen. Signor Perucchi setzt einen Kaufvertrag über den Arm auf, danach verabschiedet man sich von der Familie.
Zurück in Paris werden die Butler zu den Konsulaten der Nationen entlang des Reiseweges geschickt, während der Rest sich mit dem Arm beschäftigt. Der Arm erscheint sowohl Dr. Clemensen als auch Graf Nikolaij anatomisch wie handwerklich perfekt und aus einem sehr stabilen, porzellanartigen Material, wie Signor Perucchi sehr zum Leidwesen von Mr. Twinings Taschenmesser empirisch feststellt.
Man lässt eine Kopie des Armes anfertigen und beschafft sich die Kiste zur Aufbewahrung, um das Gepäckstück offiziell in Verwahrung zu geben ,während man den echten Arm im Gepäck von Signor Perucchi verstaut. Es werden zwei Revolver erworben, um auf weitere Eventualitäten besser vorbereitet zu sein. Dann begibt man sich zum Orient Express.
Der Abend im Salonwagen wird äußerst angenehm durch die berühmte Opernsängerin Signorina Cavollaro gestaltet. Sie lässt es sich nicht nehmen, die Fahrgäste der 1. Klasse in die Mailänder Scala zur „Aida“ einzuladen und singt im späteren Verlauf des Abends eine Arie aus dem Stück.